20.10.2026, 19:00 Uhr DPhG online: “Der Aufstieg Chinas zur Pharmazeutischen Weltmacht – Vom Generika-Hersteller zum führenden Innovationstreiber”

nur Online, October 20, 2026, 19:00 Uhr

Prof. Dr. Manfred Schubert-Zsilavecz

Zentrum für Arzneimittelforschung, Entwicklung und Sicherheit (ZAFES), Institut für Pharmazeutische Chemie, Johann Wolfgang Goethe-Universität, Frankfurt a.M.

Der Vortrag findet ausschließlich online per ZOOM statt.

Zugangsdaten unter : https://www.pharmazie.uni-wuerzburg.de/veranstaltungen/

Die globale pharmazeutische Industrie erlebt aktuell einen tiefgreifenden Strukturwandel. China exportiert längst nicht mehr nur Wirkstoffe und Generika, sondern entwickelt und produziert auch innovative Arzneimittel.

Die wachsende internationale Bedeutung des chinesischen Arzneimittelmarktes spiegelt sich u.a. in der Zulassungsstatistik und in den in China entwickelten Produkten wider. Im Jahr 2025 wurden von der chinesischen Arzneimittelzulassungsbehörde National Medical Products Administration (NMPA) 289 Arzneimittel zugelassen. 157 (54 %) enthalten einen chemisch-synthetischen Arzneistoff, 106 (37 %) ein Biologikum (therapeutisch biologische Produkte, TBP). Weitere 26 (9 %) gehören zur Gruppe der traditionellen chinesischen Arzneimittel (TCM). Impfstoffe, Biosimilars und in-vitro-Diagnostika sind in dieser Statistik nicht berücksichtigt. Mehr als die Hälfte der Arzneimittel (54 %) stammen von chinesischen Pharma-Unternehmen, womit im Jahr 2025 erstmals mehr inländische als importierte Arzneimittel in China zugelassen wurden.

Als innovative Arzneimittel gelten in China solche, die chemisch-synthetische Arzneistoffe, Biologika oder TCM-Rezepturen/Präparate enthalten, die bisher nicht im chinesischen Arzneimittelkodex (National Drug Standards) gelistet waren. Im Zulassungsjahr 2025 fielen In diese Gruppe 112 Produkte, darunter 76 Arzneimittel, die zum Zeitpunkt der Zulassungsantragstellung in China noch in keinem Land der Welt vermarktet wurden (Arzneimittel der Klasse I). 65 Klasse I-Arzneimittel hatten ihren Ursprung in China, 11 im Ausland. Bei den übrigen innovativen Arzneimitteln handelt es sich um Importarzneimittel, die bereits über eine Zulassung außerhalb von China verfügten. Unter den aus China stammenden Klasse I-Arzneistoffen verfügen einige über interessante Wirkmechanismen und hohe klinische Relevanz. Über sie wird im Vortrag berichtet.

Die hier zusammengefassten NMPA-Zahlen für 2025 sind mehr als eine Zulassungs-statistik. Sie spiegeln eine geopolitische Verschiebung wider, die in der westlichen Pharmaindustrie zunehmend als strukturelle Herausforderung wahrgenommen wird. Die NMPA-Daten belegen: China ist kein nachgelagerter Absatzmarkt mehr, sondern setzt pharmazeutische Maßstäbe, die sich bereits jetzt bei innovativen Eigenentwicklungen, Lizenzstrategien, Entwicklungspartnerschaften und dem globalen Innovationswettbewerb bemerkbar machen